Glossar
Transshipment / Transshipment Point
Transshipment bezeichnet in der internationalen Logistik den Umschlag einer Sendung von einem Transportmittel auf ein anderes während des Haupttransports, bevor sie ihren eigentlichen Bestimmungsort erreicht. Der Ort, an dem dieser Umschlag stattfindet, wird als Transshipment Point beziehungsweise Umschlagpunkt bezeichnet. Besonders häufig wird der Begriff in der Seefracht verwendet, das Prinzip kommt jedoch auch bei Luft-, Bahn- und multimodalen Transporten vor.
In der Seefracht bedeutet Transshipment beispielsweise, dass ein Container nicht mit demselben Schiff vom Abgangshafen bis zum Bestimmungshafen transportiert wird. Stattdessen wird er zunächst zu einem größeren Hafen befördert, dort vom ersten Schiff entladen und anschließend auf ein anderes Schiff für die Weiterfahrt verladen.
Ein Beispiel: Eine Sendung aus Bangladesch soll per Seefracht nach Deutschland transportiert werden. Abhängig von Abgangshafen und gewählter Verbindung kann der Container zunächst zu einem großen asiatischen Umschlaghafen transportiert werden. Dort wird er auf ein anderes Containerschiff umgeladen, das anschließend die weitere Strecke nach Europa übernimmt. Dieser Hafen fungiert als Transshipment Point.
Transshipment ist insbesondere in der Containerschifffahrt wichtig, weil nicht jeder Hafen mit jedem anderen Hafen durch eine direkte Schiffsverbindung verbunden ist. Große Reedereien bündeln ihre Warenströme deshalb über zentrale Häfen und verbinden diese mit Haupt- und Zubringerverbindungen. Kleinere Häfen können beispielsweise über sogenannte Feeder-Schiffe an große internationale Containerverbindungen angebunden werden.
Ein Transshipment Point kann deshalb gleichzeitig die Funktion eines Hubs übernehmen. Die Begriffe sind jedoch nicht vollständig gleichbedeutend. Ein Hub bezeichnet allgemein einen zentralen Knotenpunkt, an dem Verkehrs- beziehungsweise Warenströme gebündelt und verteilt werden. Transshipment beschreibt dagegen konkret den Umschlag einer Sendung beziehungsweise Transporteinheit während ihrer Beförderung.
Ein Transshipment bedeutet außerdem nicht zwangsläufig, dass die Ware selbst aus ihrem Container oder ihrer Verpackung entnommen wird. Bei einer Containerseefracht wird häufig der komplette geschlossene Container von einem Schiff auf ein anderes umgeladen. Die darin befindlichen Kartons oder Paletten bleiben während dieses Vorgangs im Container. Das unterscheidet den Vorgang beispielsweise von einer Dekonsolidierung eines LCL-Sammelcontainers.
Auch in der Luftfracht gibt es vergleichbare Transshipment-Prozesse. Eine Sendung kann beispielsweise zunächst zu einem internationalen Luftfrachthub geflogen und dort auf einen Anschlussflug umgeladen werden. Im Bahnverkehr können ebenfalls Umschläge beziehungsweise Wechsel innerhalb einer Transportkette erforderlich sein. Bei multimodalen Transporten kann zusätzlich ein Wechsel des Verkehrsträgers stattfinden, beispielsweise vom Schiff auf die Bahn oder vom Zug auf den Lkw.
Ein Transshipment kann wirtschaftliche und operative Vorteile bieten. Durch die Bündelung von Transportkapazitäten können auch Herkunfts- und Bestimmungsorte miteinander verbunden werden, für die keine wirtschaftlich sinnvolle Direktverbindung besteht. Außerdem können Verbindungen über große Hubs häufiger oder kostengünstiger angeboten werden.
Gegenüber einem Direkttransport entstehen jedoch zusätzliche Umschlagprozesse. Dadurch können sich Transitzeit und Risiko von Verzögerungen erhöhen. Trifft beispielsweise das erste Schiff verspätet am Transshipment Point ein und wird das vorgesehene Anschlussschiff verpasst, muss der Container gegebenenfalls auf eine spätere Verbindung warten.
Für Importeure ist deshalb nicht nur die angegebene Gesamttransitzeit, sondern auch die geplante Route relevant. Zwei Angebote für denselben Abgangs- und Bestimmungshafen können sich beispielsweise dadurch unterscheiden, dass eine Verbindung direkt erfolgt, während die andere einen oder mehrere Transshipment Points beinhaltet.
Transshipment ist damit ein wichtiger Bestandteil internationaler Transportnetzwerke und ermöglicht die effiziente Verbindung einer großen Zahl von Häfen, Flughäfen und anderen Logistikknotenpunkten. Bei der Auswahl einer Transportlösung sollten neben dem Preis deshalb auch Anzahl und Lage möglicher Umschlagpunkte, Anschlussverbindungen und die daraus resultierende Transitzeit berücksichtigt werden.