Glossar
Supply Chain (Lieferkette)
Eine Supply Chain, auf Deutsch Lieferkette, umfasst sämtliche miteinander verbundenen Prozesse, Unternehmen, Waren-, Informations- und teilweise auch Finanzströme, die erforderlich sind, um ein Produkt von der Beschaffung beziehungsweise Herstellung bis zum Kunden zu bringen. Sie reicht damit weit über den eigentlichen Transport hinaus und kann unter anderem Lieferanten, Produktion, Beschaffung, Lagerung, internationale Transporte, Zollabwicklung, Distribution und Verkauf miteinander verbinden.
Eine Supply Chain beginnt häufig bereits bei der Beschaffung von Rohstoffen, Komponenten oder fertigen Produkten. Ein Unternehmen kann beispielsweise Waren bei einem Hersteller in Vietnam beziehen. Noch bevor die Ware transportiert wird, gehören Prozesse wie Bestellung, Produktionsplanung, Lieferterminabstimmung und Bereitstellung der Ware bereits zur Lieferkette.
An die Produktion beziehungsweise Beschaffung schließt sich die eigentliche Transportkette an. Die Ware kann beispielsweise zunächst per Lkw vom Hersteller zum Abgangshafen transportiert, anschließend per Seefracht nach Europa befördert und nach der Zollabfertigung per Lkw zu einem Lager in Deutschland geliefert werden. Vorlauf, Hauptlauf und Nachlauf sind damit einzelne Bestandteile einer umfassenderen Supply Chain.
Eine Lieferkette endet jedoch nicht zwangsläufig mit der Ankunft der Ware beim Importeur. Nach dem Import können beispielsweise Lagerung, Bestandsführung, Kommissionierung, Fulfillment und Distribution folgen. Wird die Ware über einen Onlinehandel verkauft, kann die Lieferkette bis zur Auslieferung der einzelnen Bestellung an den Endkunden reichen.
An einer internationalen Supply Chain können entsprechend viele unterschiedliche Beteiligte mitwirken. Dazu gehören beispielsweise Hersteller und Lieferanten, Importeure, Speditionen, Frachtführer, Reedereien, Fluggesellschaften, Terminal- und Lagerbetreiber, Zollvertreter, Fulfillment-Dienstleister, Händler und Empfänger. Je nach Produkt und Geschäftsmodell können weitere Unternehmen und Behörden beteiligt sein.
Neben dem physischen Warenfluss sind auch Informations- und Dokumentenflüsse ein wesentlicher Bestandteil einer Lieferkette. Bestellungen, Produktionsinformationen, Handelsrechnungen, Packlisten, Transportdokumente, Zolldaten und Informationen zum aktuellen Sendungsstatus müssen zwischen den beteiligten Parteien ausgetauscht werden. Fehlerhafte oder verspätete Informationen können deshalb Auswirkungen auf den physischen Warenfluss haben.
Auch die Bestands- und Beschaffungsplanung gehört zum Supply-Chain-Management. Unternehmen müssen beispielsweise berücksichtigen, wie lange Produktion und Transport dauern, welche Mengen voraussichtlich verkauft werden und wann neue Ware bestellt werden muss. Eine unzureichende Planung kann zu hohen Lagerbeständen oder umgekehrt zu einem Out of Stock (OOS) führen.
Unter Supply Chain Management (SCM) versteht man die Planung, Steuerung und Optimierung dieser miteinander verbundenen Prozesse. Ziel kann beispielsweise sein, Transport- und Lagerkosten zu reduzieren, Lieferzeiten zu verkürzen, Bestände sinnvoll zu steuern, Risiken zu reduzieren und gleichzeitig eine zuverlässige Warenverfügbarkeit sicherzustellen.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die Widerstandsfähigkeit der Lieferkette. Produktionsausfälle, fehlende Transportkapazitäten, Hafenüberlastungen, Streiks, extreme Wetterereignisse oder andere Störungen können einzelne Abschnitte einer Supply Chain beeinträchtigen. Unternehmen können solche Risiken beispielsweise durch alternative Lieferanten, unterschiedliche Transportwege, Sicherheitsbestände oder flexiblere Transportlösungen reduzieren.
Eine Supply Chain kann national, international oder global aufgebaut sein und unterschiedliche Verkehrsträger miteinander verbinden. See-, Luft-, Bahn- und Straßentransporte können dabei jeweils einzelne Bestandteile derselben Lieferkette darstellen. Bei internationalen Importen entstehen deshalb häufig multimodale Transportketten innerhalb einer deutlich umfassenderen Supply Chain.
Die Begriffe Supply Chain und Transportkette sind daher nicht gleichbedeutend. Die Transportkette beschreibt vor allem die physische Beförderung der Ware über verschiedene Transportabschnitte. Die Supply Chain umfasst dagegen den gesamten übergeordneten Prozess von Beschaffung und Produktion über Transport und Lagerung bis hin zu Distribution und gegebenenfalls Verkauf an den Endkunden.
Eine gut geplante Supply Chain trägt somit dazu bei, dass die richtige Ware in der benötigten Menge zum vorgesehenen Zeitpunkt am richtigen Ort verfügbar ist, während Kosten, Laufzeiten, Bestände und Risiken entlang der gesamten Lieferkette möglichst effizient aufeinander abgestimmt werden.