Glossar
Vorlauf
Als Vorlauf wird in der Logistik der Transportabschnitt bezeichnet, der dem eigentlichen Haupttransport einer Sendung vorausgeht. Er umfasst die Beförderung der Ware vom ursprünglichen Abholort – beispielsweise dem Werk, Lager oder Lieferanten – bis zu dem Ort, an dem der Hauptlauf beginnt. Dies kann beispielsweise ein Seehafen, Flughafen, Bahnterminal oder anderer logistischer Umschlagpunkt sein.
Bei einem internationalen Import beginnt die Transportkette häufig bereits beim Lieferanten im Ursprungsland. Befindet sich dessen Produktionsstätte nicht unmittelbar am Abgangshafen oder Flughafen, muss die Ware zunächst dorthin transportiert werden. Dieser erste Abschnitt wird als Vorlauf bezeichnet.
Ein Beispiel: Ein deutsches Unternehmen importiert Waren von einem Hersteller in Vietnam per Seefracht. Die Ware wird zunächst per Lkw vom Produktionsstandort zum Abgangshafen transportiert. Dieser Straßentransport bildet den Vorlauf. Die anschließende Seefracht von Vietnam nach Europa stellt den Hauptlauf dar, während die Beförderung vom europäischen Hafen zum endgültigen Empfänger als Nachlauf bezeichnet wird.
Der Vorlauf erfolgt besonders häufig per Lkw, ist jedoch nicht auf den Straßentransport beschränkt. Abhängig von Entfernung, Infrastruktur und Transportkonzept können beispielsweise auch Bahn oder Binnenschiff eingesetzt werden. Bei größeren Entfernungen innerhalb eines Ursprungslandes kann der Vorlauf selbst bereits aus mehreren Transportabschnitten bestehen.
Auch bei der Luftfracht gehört der Transport vom Lieferanten beziehungsweise Abholort zum Abgangsflughafen zum Vorlauf. Die Ware kann beispielsweise zunächst per Lkw zu einem Luftfrachtterminal gebracht und dort für den anschließenden Flug abgefertigt werden. Bei der Bahnfracht führt der Vorlauf entsprechend zum vorgesehenen Abgangsterminal beziehungsweise Bahnhub.
Welche Leistungen zum Vorlauf gehören, hängt von der vereinbarten Transportlösung und den jeweiligen Lieferbedingungen ab. Neben der eigentlichen Beförderung können beispielsweise Abholung, Terminabstimmung, Übergabe am Terminal oder weitere Handling-Leistungen mit dem Vorlauf verbunden sein. Diese Leistungen sind jedoch nicht automatisch Bestandteil jedes Vorlaufpreises.
Auch die vereinbarten Incoterms können dafür relevant sein, welche Partei bestimmte Transportabschnitte organisiert beziehungsweise deren Kosten und Risiken trägt. Bei EXW kann beispielsweise ein großer Teil der Transportorganisation bereits am Standort des Verkäufers beginnen, während bei anderen Incoterms der Verkäufer bestimmte Transportabschnitte bis zu einem vereinbarten Ort übernimmt.
Der Vorlauf sollte deshalb bereits bei der Kalkulation eines internationalen Imports berücksichtigt werden. Eine günstige Rate für den See-, Luft- oder Bahntransport allein sagt noch nichts über die gesamten Transportkosten aus. Befindet sich ein Lieferant beispielsweise weit entfernt vom vorgesehenen Abgangshafen, kann der Vorlauf einen erheblichen Anteil der Gesamtkosten ausmachen.
Neben der Entfernung können unter anderem Warenmenge, Gewicht, benötigter Fahrzeugtyp, Maut, regionale Infrastruktur und erforderliche Handling-Leistungen die Kosten und Laufzeit des Vorlaufs beeinflussen. Auch die rechtzeitige Anlieferung am Terminal ist wichtig, da beispielsweise Cut-off-Zeiten für eine gebuchte Schiffs-, Flug- oder Bahnverbindung eingehalten werden müssen.
Das Gegenstück zum Vorlauf ist der Nachlauf. Vereinfacht lässt sich eine internationale Transportkette daher in drei wesentliche Abschnitte unterteilen: Vorlauf vom Abholort zum Ausgangspunkt des Haupttransports, Hauptlauf über die internationale beziehungsweise zentrale Transportstrecke und Nachlauf vom Ankunftspunkt zum endgültigen Bestimmungsort.
Bei einer Door-to-Door-Transportlösung werden diese Abschnitte zu einer durchgängigen Transportkette verbunden. Der Vorlauf bildet dabei den ersten physischen Transportabschnitt und sorgt dafür, dass die Ware rechtzeitig vom Lieferanten zum Ausgangspunkt des vorgesehenen Haupttransports gelangt.