Glossar
Mercosur
Mercosur (Mercado Común del Sur, deutsch: Gemeinsamer Markt des Südens) ist ein südamerikanischer Wirtschafts- und Integrationsverbund. Ziel des Mercosur ist es, den Handel zwischen seinen Mitgliedstaaten zu erleichtern, wirtschaftliche Zusammenarbeit zu fördern und gegenüber Drittstaaten beziehungsweise anderen Wirtschaftsräumen eine gemeinsame Handelspolitik zu entwickeln.
Zu den Gründungsmitgliedern des Mercosur gehören Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Bolivien ist inzwischen ebenfalls Vollmitglied. Venezuela wurde 2012 aufgenommen, ist jedoch seit 2016 von seinen Mitgliedschaftsrechten suspendiert. Darüber hinaus bestehen unterschiedliche Formen der Assoziierung und Zusammenarbeit mit weiteren südamerikanischen Staaten.
Für Unternehmen im internationalen Handel ist Mercosur insbesondere deshalb relevant, weil die Mitgliedstaaten einen gemeinsamen Wirtschaftsraum mit Regelungen zum Warenverkehr und zu Außenzöllen geschaffen haben. Zwischen den Mitgliedstaaten bestehen für viele Waren Handelserleichterungen, während gegenüber Waren aus Drittstaaten grundsätzlich ein gemeinsamer Außenzoll – der sogenannte Common External Tariff – eine wichtige Rolle spielt. In der praktischen Anwendung bestehen allerdings zahlreiche Ausnahmen und nationale Besonderheiten.
Für europäische Importeure ist Mercosur vor allem im Zusammenhang mit Waren aus Brasilien, Argentinien, Uruguay, Paraguay und Bolivien relevant. Dabei bedeutet die Zugehörigkeit eines Herkunftslandes zum Mercosur jedoch nicht automatisch, dass Waren bei der Einfuhr in die Europäische Union zollfrei oder zu einem reduzierten Zollsatz eingeführt werden können. Entscheidend sind die zwischen der EU und den betreffenden Staaten geltenden handelspolitischen Regelungen sowie der zollrechtliche Ursprung der jeweiligen Ware.
Besondere Bedeutung hat in diesem Zusammenhang das EU-Mercosur-Abkommen. Die Europäische Union sowie Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay haben im Januar 2026 das EU-Mercosur-Partnerschaftsabkommen und ein Interims-Handelsabkommen unterzeichnet. Das Interims-Handelsabkommen wird seit dem 1. Mai 2026 vorläufig angewendet und enthält unter anderem Regelungen zum Abbau von Zöllen und zu Präferenzursprüngen. Für einen konkreten Import muss dennoch geprüft werden, welche Regelungen für die jeweilige Ware und das betreffende Ursprungsland gelten.
Auch innerhalb des Mercosur ist der Warenursprung von Bedeutung. Soll eine Ware von einer Präferenzbehandlung profitieren, reicht es nicht aus, dass sie lediglich aus einem Mercosur-Staat versendet wird. Entscheidend ist, ob sie die jeweils geltenden Ursprungsregeln erfüllt und damit den erforderlichen Präferenzursprung besitzt. Im Rahmen des EU-Mercosur-Interims-Handelsabkommens erfolgt die Inanspruchnahme einer Präferenzbehandlung grundsätzlich auf Grundlage einer Erklärung zum Ursprung des Ausführers, die als entsprechender Präferenznachweis dient.
Für Import-Team.de ist Mercosur außerdem aus logistischer Perspektive relevant. Insbesondere Brasilien und Argentinien sind bedeutende südamerikanische Beschaffungs- und Absatzmärkte mit umfangreichen Seefracht– und Luftfrachtverbindungen nach Europa. Abhängig vom Herkunftsort können dabei neben dem internationalen Haupttransport längere Vorläufe innerhalb Südamerikas erforderlich sein, beispielsweise vom Produktionsstandort zu einem geeigneten Hafen oder internationalen Flughafen.
Ein Beispiel: Ein deutscher Importeur bezieht hochwertige Ersatzteile von einem Hersteller in Brasilien. Da die Ware kurzfristig benötigt wird, wird sie per Luftfracht aus Südamerika nach Deutschland transportiert. Neben der Organisation des Transports sind für die Einfuhr insbesondere die Zolltarifnummer und der Warenursprung der Ware relevant.
Der Begriff Mercosur betrifft somit nicht unmittelbar eine bestimmte Transportart. Er ist vielmehr für die handelspolitischen, zollrechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Warenverkehrs mit einem wichtigen Teil Südamerikas relevant. Transporte zwischen Mercosur-Staaten und Europa können entsprechend der jeweiligen Ware und Route per See-, Luft- oder multimodaler Transportlösung organisiert werden.
Für einen Import aus einem Mercosur-Staat sollten daher neben Transportkosten und Transitzeit insbesondere die Zolltarifnummer, der Warenursprung, mögliche Präferenzregelungen und die zum Zeitpunkt der Einfuhr geltenden Handelsbestimmungen geprüft werden.