Glossar
Master Bill of Lading (MBL)
Ein Master Bill of Lading (MBL) ist ein Konnossement, das im Seefrachtverkehr typischerweise von der Reederei beziehungsweise dem Verfrachter gegenüber ihrem unmittelbaren Vertragspartner ausgestellt wird. Wird zusätzlich ein House Bill of Lading (HBL) verwendet, bildet das MBL die übergeordnete Transportbeziehung auf Ebene des ausführenden Seefrachtführers ab, während das HBL die Beziehung zwischen dem ausstellenden Spediteur beziehungsweise NVOCC und dessen Auftraggeber dokumentiert.
Ein Master Bill of Lading enthält wesentliche Angaben zum Seetransport. Dazu gehören unter anderem Angaben zu den im MBL genannten Parteien, zum Abgangs- und Bestimmungshafen, zum Schiff beziehungsweise zur Reise sowie zur transportierten Ware und gegebenenfalls zu den eingesetzten Containern.
Welche Unternehmen im MBL als Shipper und Consignee aufgeführt werden, hängt von der konkreten Transport- und Vertragsstruktur ab. Bei einer über einen NVOCC oder Spediteur organisierten Sendung können beispielsweise dieser beziehungsweise dessen Partner als Parteien im MBL erscheinen, während der tatsächliche Verkäufer und Käufer der Ware im zugehörigen House Bill of Lading (HBL) genannt werden können.
Besonders relevant ist die Unterscheidung bei konsolidierten Seefrachtsendungen. Ein NVOCC oder Spediteur kann mehrere einzelne Kundensendungen zu einer größeren Sendung zusammenfassen. Gegenüber der Reederei kann hierfür ein Master Bill of Lading bestehen, während gegenüber den einzelnen Auftraggebern separate House Bills of Lading ausgestellt werden. Einem MBL können daher – abhängig von der jeweiligen Transportstruktur – mehrere HBL zugeordnet sein.
Ein Beispiel: Mehrere LCL-Sendungen verschiedener Auftraggeber werden per Seefracht aus China nach Deutschland in einem Sammelcontainer transportiert. Gegenüber der Reederei besteht für die konsolidierte Sendung ein Master Bill of Lading. Für die einzelnen Kundensendungen können gleichzeitig separate House Bills of Lading ausgestellt werden. So können innerhalb desselben Seetransports ein MBL auf der übergeordneten Transportebene und mehrere HBL für die einzelnen Kundensendungen bestehen.
Master Bill of Lading und House Bill of Lading sind deshalb nicht als zwei unterschiedliche Transportarten zu verstehen. Sie können verschiedene Vertrags- und Dokumentationsebenen innerhalb desselben Seetransports abbilden. Für die praktische Abwicklung ist entscheidend, welche Parteien und Sendungsdaten in den jeweiligen Dokumenten genannt sind und wie die Dokumente miteinander zusammenhängen.
Auch bei der Warenfreigabe und Zollabfertigung können die Angaben aus MBL und HBL relevant sein. Stimmen beispielsweise Angaben zu Sendung, Container, Packstücken oder beteiligten Parteien nicht miteinander beziehungsweise mit den übrigen Transport- und Handelsdokumenten überein, können Rückfragen und Verzögerungen entstehen.